Welche Kostenfolgen haben höhere Kapitalanforderungen für die UBS?

Der Bundesrat hat am Freitag 6. Juni 2025 die Stossrichtung einer verbesserten Too-Big-To-Fail (TBTF) Regulierung systemrelevanter Banken vorgelegt. Dazu gehören strengere Eigenkapitalvorschriften für systemrelevante Banken mit ausländischen Tochtergesellschaften.

Im Vorfeld dieser Vorschläge hat der Bundesrat zwei Gutachten zu den geschätzten zusätzlichen Kapitalkosten eingeholt, mit denen bei der UBS im Falle kapitalverstärkender Massnahmen zu rechnen wäre. In meinem Gutachten wird die Erhöhung der Gesamtkapitalkosten bei einer Verstärkung des harten Kernkapitals (CET1) um 10 Mrd USD auf rund 1 Basispunkt (0.01%) veranschlagt. In Bezug auf den Buchwert der Aktiva entspricht dies einem Betrag von rund 320 Mio USD. Dabei „kosten“ die höheren Eigenmittel rund 610 Mio USD, während die Entlastung der Fremdkapitalkosten bei 290 Mio USD liegt. Berechnungsgrundlage bilden die gewichteten Kapitalkosten (WACC), welche die Renditeanforderungen der Kapitalgeber aus risikoorientierter Sicht des Finanzmarktes abschätzen. 

  • Tief oder hoch? Wenn die Kapitalverstärkung der ausländischen Tochtergesellschaften, wie bei der Medienkonferenz angekündigt, einen zusätzlichen Eigenmittelbedarf von bis zu 25 Mrd USD erfordert, liegen die zusätzlichen Kapitalkosten bei maximal 800 Mio CHF. Kann sich dies die Bank leisten? Bei der Beantwortung dieser Frage gilt zu beachten, dass die so ermittelten Eigenkapitalkosten keinen Aufwand im buchhalterischen Sinn darstellen und somit keinen Einfluss auf den ausgewiesenen Gewinn ausüben. Sie wirken sich allerdings auf den ökonomisch relevanten Aktionärswert im Zusammenhang mit der Ermittlung des periodischen Economic Value Added der Bank aus.
  • Szenarien: Die vorangehenden Werte beziehen sich auf ein Basisszenario. Die vorgenommenen Schätzungen erfolgen jedoch aufgrund einer Vielzahl von Szenarien. Bei 95% der Szenarien liegt der Anstieg der Gesamtkapitalkosten unter 2.3 bp, der höchste Wert beträgt 2.5 bp.
  • Teure Eigenmittel: Eigenmittel sind teuer, denn die Aktionäre tragen das Hauptrisiko der Bank und verlangen entsprechend eine hohe Risikoprämie. Aber durch die höheren Eigenmittel wird dieses Risiko und damit der Eigenkapitalkostensatz reduziert. Die Eigenkapitalkosten insgesamt steigen jedoch, weil die Menge des Eigenkapitals zunimmt.
  • Günstigeres Fremdkapital: Die stärkere Kapitalisierung reduziert das Gegenparteirisiko der Bank und damit den Fremdkapitalkostensatz. Würde dieser Zusammenhang ausgeblendet, steigen die Gesamtkapitalkosten deutlich, im Basisszenario von 1.1 bp auf 3.0 bp, der maximale Wert der Szenarien steigt von 2.5 bp auf 4.3 bp. Eine blosse Fokussierung auf die Eigenkapitalkosten, wie in der öffentlichen Debatte üblich, überschätzt die betrachteten Effekte deutlich.

Die Berechnungen stützen sich u.a. auf zwei empirische Untersuchungen von Georg Junge und Peter Kugler über den Zusammenhang zwischen Bankrisiko und Verschuldungsgrad, welche im Swiss Journal of Economics and Statistics publiziert wurden.

Das Gutachten ist unter folgendem Link beim EFD aufgeschaltet: https://www.efd.admin.ch/de/tbtf#Gutachten

Die beiden erwähnten empirischen Untersuchungen sind einsehbar unter: https://doi.org/10.1007/BF03399394

https://doi.org/10.1186/s41937-018-0025-z

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